Katrins Spatzennest, Tagesmutter, Mönchengladbach, Hermges, Moenchengladbach, Kindertagespflege, Kinderbetreuung, U3, 0-3 Jahre

Eingewöhnung

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Die wichtigste Phase in der Kindertagespflege ist die schrittweise Gewöhnung des Kindes an die Kindertagespflegeperson und die neue Umgebung. Diese Phase wird Eingewöhnung genannt. Wenn das Kind zum ersten Mal zur Kindertagespflegeperson geht, ist das sowohl für das Kind als auch für die Eltern eine große Herausforderung. Besonders für Kinder unter drei Jahren ist daher eine gute Eingewöhnung ein Muss, damit aus der Herausforderung keine Überforderung wird.

In der Eingewöhnung, wird das Kind von einer ihm vertrauten Bindungsperson (meist ein Elternteil) zur Kindertagespflegeperson begleitet und kann in aller Ruhe in einem allmählichen Prozess die Kindertagespflegeperson als zusätzliche Bindungsperson akzeptieren, sich die fremde Umgebung vertraut machen und die anderen Kinder kennenlernen.

Es ist wichtig, dass eine Eingewöhnung stattfindet und dass diese schrittweise vonstatten geht, denn meist ist der Besuch der Kindertagespflegeperson die erste richtige Trennung von seinen bisherigen Bindungspersonen. Auch die fremden Kinder, die in Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Spielzeug treten, können das Kind ansonsten überfordern. Für Kinder unter drei Jahren ist eine Trennung von den Eltern mit sehr viel Stress verbunden. Würde man, aus welchen Gründen auch immer, auf eine ausreichende Eingewöhnungszeit verzichten, könnte das nachteilige Folgen für die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Bindung zu den Eltern haben. Es wurde festgestellt, dass Kinder, die ohne Eingewöhnung in eine Kindertagesstätte oder zu einer Kindertagespflegeperson gingen, in den ersten Jahren häufiger und länger krank waren, und es in einigen Fällen auch zu Entwicklungsverlangsamungen kam.

Wenn man sich ausreichend Zeit für die Eingewöhnung nimmt, hat das Kind die Möglichkeit, die Kindertagespflegeperson als eine weitere Bindungsperson anzuerkennen und sie als sichere Basis zu akzeptieren. In Situationen der Überforderung und des Stresses kann sich das Kind an die Kindertagespflegeperson wenden, um sich den nötigen Rückhalt und Trost zu holen. Im Vertrauen auf diese ihm gebotene Sicherheit ist das Kind dann in der Lage, seine Umgebung zu erkunden, Neues zu erlernen und soziale Kontakte zu knüpfen. Die Kindertagespflegeperson unterstützt dieses Explorationsverhalten, indem sie Geduld und Feinfühligkeit beweist, an den richtigen Stellen assistiert und die Signale des Kindes genau beobachtet.

Um also das Kind und alle beteiligten Personen nicht unnötig unter Druck zu setzten, plane ich eine Eingewöhnungszeit von drei Wochen ein. Je nach Alter, Charakter und Vorerfahrung kann sich die Zeit aber erheblich verkürzen. Die Eingewöhnungszeit sollte direkt vor der eigentlichen Betreuungszeit stattfinden, da eine längere Unterbrechung des Kontaktes zu mir eine erneute Ein­gewöhnungszeit erfordern würde. An den ersten drei Tagen besucht mich das Kind zusammen mit einer vertrauten Bindungsperson (meist ein Elternteil) nur für 1-2 Stunden. Während sich der Elternteil inaktiv im Hintergrund hält, versuche ich aktiv mit dem Kind in Kontakt zu treten (z.B. durch Spielen). Sollte das Kind sich überfordert fühlen und Trost brauchen, so bietet der Elternteil diesen an. Am vierten Tag kann der Elternteil erstmalig für ca. 0,5 Stunden den Raum verlassen. An den nächsten Tagen wird diese Zeitspanne allmählich erhöht.

Das Verhalten des Elternteils ist während der Eingewöhnung von enormer Bedeutung. Gefühle wie z.B. Eifersucht mir gegenüber würden dem Erfolg im Wege stehen. Die Bindung zwischen dem Kind und mir kann nie die Bindung zu den Eltern ersetzten, da sie nicht die gleiche Qualität und Tiefe besitzt. Auch muss der Elternteil während der Eingewöhnungszeit versuchen, möglichst inaktiv zu sein. Er sollte das Kind nicht ignorieren, aber nicht aus eigenem Antrieb zum Spielen animieren. Die Eltern müssen von Anfang an signalisieren, dass sie mit der Bindung zu mir einverstanden sind, damit für das Kind kein Loyalitätskonflikt entsteht.

Auch mein Verhalten ist für das Gelingen der Eingewöhnung wichtig. Ich muss stets gleichmäßig freundlich, geduldig und sensibel dem Kind gegenüber sein, damit es mich als zuverlässige, warmherzige Bindungsperson ansieht. Um den Kontakt zum Kind zu erleichtern, kann ich versuchen die Interessen des Kindes aufzugreifen oder Rituale einführen (z.B. zum Abschied des Elternteils am Fenster stehen und winken). Auch meine Akzeptanz der Vorgehensweise und Ansichten der Eltern ist wichtig, um eine gemeinsame Erziehung und Pflege des Kindes zu ermöglichen.

Eine gute Eingewöhnung bedarf noch weiterer grundlegender Dinge. Während der gesamten Eingewöhnungszeit sollte stets derselbe Elternteil anwesend sein. Dieser kann zur Unterstützung einen vertrauten Gegenstand mitnehmen (z.B. Kuscheltier, Schnuller), den das Kind als Verbindung zu den Eltern ansieht. Der Abschied vom Kind und das spätere Wiedersehen sollte kurz, freundlich und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit vonstatten gehen, damit das Kind merkt, dass es nichts Besonderes ist, sich getrennt von den Eltern an einem anderen Ort aufzuhalten.

Sollte es dennoch während der Eingewöhnung zu Rückschlägen kommen und das Kind sehr unter der Trennung leiden, werden wir diese stoppen und die Trennung erst einige Tage später wiederholen.

Bei Kinder, die aufgrund ihres Charakters und Alters die Trennung ohne Probleme akzeptieren, kann die Eingewöhnung früher beendet werden und wir können in die normale Betreuung übergehen. Kindern, die etwas länger für den Aufbau der Bindung zur mir brauchen, sollten wir auch die nötige Zeit geben.

In dieser aufregenden Zeit ist es auch besonders wichtig, dass man sich bewusst macht, dass irritierenden äußeren Umstände die Eingewöhnungsphase verlängern können. Sollte das Kind gerade Fremdeln, steht ein Umzug oder eine Trennung bevor oder gab es diese in der Vergangenheit, kann es durchaus vorkommen, dass eine Eingewöhnung länger als drei Wochen dauert. Für erfolgreich kann eine Eingewöhnung erklären und beendet werden, wenn mich das Kind als sichere Basis anerkennt, d.h. in Stresssituationen zu mir kommt und sich von mir trösten lässt.